Vermögensverwalter Eckhard Jess (Mitte) mit Sohn Philipp (links) und Prokurist Nico Bruns.
"Investieren, nicht spekulieren“: Vermögensverwalter Eckhard Jess (Mitte) mit Sohn Philipp (links) und Prokurist Nico Bruns. Quelle: Axel Heimken

Ein Beitrag unseres Mitglieds, der DAHM & JESS GmbH: 

Fondsmanager findet man an den Finanzplätzen der Welt. Kiel zählt nicht dazu. Doch in der alten Sternwarte in Düsternbrook lebt einer: Eckhard Jess (80), Wächter über ein Vermögen von über 100 Millionen Euro. Besuch bei einem Mann, der Banken kritisch sieht.

Kiel. Eckhard Jess war 19, als er seine ersten Aktien kaufte. Mitte der 1960er-Jahre kippte die Republik vom Wirtschaftswunder in die erste schwere Rezession der Nachkriegszeit. Es war das Ende der Ära Erhard. Doch er, der frisch ausgebildete Versicherungskaufmann, legte gerade erst los.

Heute ist Jess 80 und Wächter über mehr als 100 Millionen Euro. Rund 340 Kundinnen und Kunden haben dieses Geld der Kieler Vermögensverwaltung Dahm und Jess anvertraut. 1985 hatte Jess das Unternehmen mit seiner Frau Monika gegründet – wenige Jahre, nachdem er Mitgesellschafter seines Arbeitgebers wurde, des vor 125 Jahren gegründeten Versicherungsunternehmens Dahm.

Vermögensverwalter Eckard Jess: Lokal verwurzelt, international vernetzt

„Jung gebliebener Senior, elegant, seriös“ – ließe man so ein KI-Foto generieren, möglich, dass es Jess ähnelt: weiße Haare, sorgfältig gestutzter Vollbart, dunkles Sakko, dunkler Rolli, Brille von dezenter Eleganz. Aber Jess ist echt, lokal verwurzelt, international vernetzt und ausgestattet mit einem Riecher für Finanz- und Rohstoffmärkte.

Dahm und Jess gehört zur schrumpfenden Spezies unabhängiger Unternehmen mit einer Genehmigung zur Finanzportfolioverwaltung. Besonders für kleine Anbieter wird es immer härter, die Auflagen zu stemmen. „Wir werden geprüft wie jede deutsche Großbank“, sagt Jess. Ein großer Aufwand, gerade wenn man nur fünf Beschäftigte hat.

Wir werden geprüft wie jede deutsche Großbank.

Die meisten unabhängigen Vermögensverwalter in Deutschland sind aus Banken hervorgegangen. Doch auf Banken, nun ja, ist er nicht so gut zu sprechen. Deren Beratung werde oft von Vertriebsinteressen überlagert. Zudem passiere zu wenig, um Kunden für Aktien oder Rohstoffe zu interessieren: Über neun Billionen Euro in Deutschland liegen auf Spar- und Girokonten. „Ein Wahnsinn“, sagt Jess und meint den Vermögensverlust als Folge der Inflation.
Sie ist weithin sichtbar, die alte Uni-Sternwarte in Düsternbrook mit ihrer weißen Fassade und der Aussichtsplattform auf dem Dach. Im Zweiten Weltkrieg stand dort ein Flakgeschütz. Ein Firmensitz, der Eindruck macht: imposante Treppenhalle, Innenräume mit Parkett, hohe Decken, weiße Wände mit künstlerischen Schwarz-Weiß-Fotos.

Jess arbeitet nicht nur in der alten Sternwarte, hier lebt er auch

Hier arbeitet Jess nicht nur, hier wohnt er auch. Anfang der 1990er sollten in der Sternwarte Wohnungen entstehen, mit einem Finanzkonzept von Jess. Doch ihm habe der Gedanke nicht behagt, dass der frühere Forschungsort „zum Spekulationsobjekt verkommt“. So kaufte er das 1883 erbaute Gebäude selbst: „Eine Ruine ohne Dach, die Eingänge zugemauert.“

Dahm und Jess verwaltet Kundengelder auf Honorarbasis in zwei „Mandantendepots“: Mischfonds, die weltweit investieren. Mindesteinlage: 100.000 Euro. Wo das Geld hinfließt, ob alles so laufen kann oder umgeschichtet werden muss, das entscheidet der Chef. Jess verlässt sich auf seine Erfahrung, maßt sich aber nicht an, vom Sternwartenweg aus die Märkte in Asien zu überblicken: „Da hilft ein großes Netzwerk.“

Auch für dieses Jahr erwartet Dahm und Jess eine gute Börsenentwicklung

2025 brachten es beide Fonds auf eine Netto-Rendite von 17 Prozent. Trotz Trump, Krisen und Kriegen erwartet Jess auch für 2026 eine positive Entwicklung, aber mit starken Schwankungen. US-Tech-Aktien hält er für schwindelerregend hoch bewertet. Viel gibt er auf Edelmetalle, angesichts ausufernder Staatsschulden. Auch Rohstoffe, ohne die die Energiewende nicht gelingen kann, würden oft unterschätzt.

An das Aufhören denkt Jess vorerst nicht. George Soros hatte bis über 90 die Fäden in der Hand. Doch die Nachfolge in der Sternwarte steht: Sohn Philipp (52) ist fest im Unternehmen verankert. Und um die Beratung kümmert sich Prokurist und Ex-Holstein-Profi Nico Bruns (29).